Bauwesenversicherung
 

Jedes Jahr werden hierzulande zahlreiche neue Bauprojekte in Angriff genommen - sowohl durch Bauunternehmungen wie auch durch private Bauherren. Regelmäßig kommt es in diesem Zusammenhang zu unvorhergesehenen Problemen und Komplikationen. Bisweilen können diese die finanzielle Existenz des Bauherrn ernsthaft gefährden.

Fakt nämlich ist:
Vielen Bauherren wissen nicht, dass die so genannte Verdingungsordnung für Bauleistungen (sie liegt den Bauverträgen in der Regel zugrunde) eine Gefahrenteilung vorsieht zwischen dem Unternehmer (dem Bauhandwerker) und dem Bauherrn. Das bedeutet nichts anderes als dass Schäden, welche durch höhere Gewalt sowie infolge unabwendbarer Ereignisse entstehen, schon vor der Abnahme der erstellten Bauleistungen zu Lasten des Bauherrn gehen; darüber hinaus geht die Gefahr für bereits fertig gestellte Teilleistungen, dazu zählen der Rohbau bzw. Ausbauwerke, nach der Abnahme komplett auf den Bauherrn über. Die hohen Risiken auf dem Bau können mithin schwere finanzielle Folgen für jede Baufamilie haben. Zu bedenken gilt es also, dass kein Bauherr in der Lage ist, sein Grundstück tatsächlich so sicher zu halten, dass kein Unbefugter dieses betreten kann, denn eine Baustelle kann man nicht rund um die Uhr überwachen und auch nicht abschließen, sodass sie für niemanden betretbar ist.

Eine Bauwesenversicherung (sie wird auch Bauleistungsversicherung genannt) schützt die Bauunternehmer bzw. den privaten Bauherrn vor Schäden am Roh- und Neubau. Überdies deckt sie auch die Schäden bei Diebstahl ab - dafür muss allerdings eine entsprechende Klausel vereinbart worden sein. Und das macht Sinn: Auf nahezu jeder Baustelle nämlich sind kostspielige Maschinen im Einsatz. Sowohl Baumaschinen als auch das Baumaterial können gestohlen werden. Sämtliche Schäden, die entweder durch Materialfehler oder eine mangelhafte Bauleistung verursacht werden, gehen zu Lasten des Bauherrn. Beispiel: Das Bauunternehmen hat nicht für eine ausreichende Isolierung an einem Objekt gesorgt, mit der Folge, dass später Feuchtigkeit ins Gebäude eindringt.

Fakt ist: Das Risiko des Bauherrn wird mit dem Baufortschritt immer größer. Daher ist für ihn eine so genannte Bauwesenversicherung, die vor unvorhersehbaren Schäden schützt, unverzichtbar. Die meisten Schadensursachen liegen in höherer Gewalt (also in ungewöhnlichen oder außergewöhnliche Naturereignissen), Material-, Konstruktions- und Ausführungsfehlern, in unbekannten Eigenschaften des Baugrunds und nicht zuletzt in fahrlässigen, böswilligen oder auch vorsätzlichen Handlungen Dritter.

Folgende Risiken werden bis zur Baufertigstellung abgedeckt: Schäden an der Verglasung, Diebstahl (jedoch nur, was die mit dem Gebäude fest verbundenen Teile betrifft), das Baugrundstück und die vorhandenen Bodenmassen, Schäden des Grundwassers, Wasserdurchlässigkeit, Undichtigkeit des Baukörpers, Gefahren durch Aufschwimmen, Hochwasser sowie Schäden an den auf der Baustelle gelagerten Bauteilen. Nicht versichert sind Leistungsmängel, Diebstahl oder Einbruchdiebstahl von lagernden Materialien, Schäden durch übliche Witterungseinflüsse, welche der Jahreszeit und der örtlichen Verhältnisse geschuldet sind. Es können auch Beschädigungen durch unbekannte dritte Personen in den Versicherungsschutz der Bauwesenversicherung einbezogen werden. Beispiel: Kinder (oder auch Tiere) laufen über den frisch gegossenen Beton, sodass es erforderlich wird, diesen neu zu gießen. In einem solchen Fall muss der Bauherr für die entstandenen Kosten aufkommen - es sei denn, er hat vorgesorgt und eine Bauwesenversicherung abgeschlossen. Denn ist dieser Sachverhalt in das Paket der Versicherungsleistungen einbezogen, so übernimmt die Bauwesenversicherung die entstandenen Kosten für den verursachten Schaden. Kurzum: Eine Bauwesenversicherung ist für jeden Bauherren jedenfalls vorteilhaft.

Bis zum Fertigstellung des Gebäudes bietet die Bauwesenversicherung dem Bauherrn einen Versicherungsschutz - und zwar auch für die schon fertig gestellten und abgenommenen Teilleistungen. Der Bauherr hat überdies die Option, die Prämie auf die einzelnen Unternehmer (wie etwa den Rohbauunternehmer oder den Bauhandwerker) umzulegen; dies muss dann allerdings in der Ausschreibung vereinbart werden. Damit ist gewährleistet, dass auch dann Versicherungsschutz besteht, wenn nicht klar ist, ob das Risiko zu Lasten des Bauherrn oder des Unternehmer geht. Im Übrigen gehört die Prämie für die Bauwesenversicherung zu den so genannten vorweggenommenen Werbungskosten; aus diesem Grund ist sie komplett von der Steuer absetzbar. Hinweis: Die Feuerversicherung ist in der Bauwesenversicherung nur gegen einen Zuschlag versichert. Die Versicherung des Feuerrisikos kann man über eine Feuerversicherung oder über eine Feuerrohbauversicherung abschließen. Für den Fall, dass man dies mit der Gebäudeversicherung für das fertige Bauwerk tut, hat man oftmals die Möglichkeit, sie für die Dauer der Bauzeit kostenfrei zu nutzen. Um sich vorab zu informieren, bietet sich der kostenneutrale Wohngebäudeversicherung Vergleich an.

Die Versicherungssumme einer Bauleistungsversicherung ist abhängig von der Bausumme, die vertraglich festgehalten wird; sie umfasst sämtliche Bauleistungen. Dazu gehören auch Außenanlagen, eingebaute Einrichtungsgegenstände, der Wert sämtlicher Eigenleistungen und Lieferungen des Bauherren, nicht zuletzt möglicherweise auch die Mehrwertsteuer. Wichtig bei der Vertragsgestaltung ist, dass man keine prozentuale Selbstbeteiligung festlegt, sondern einen maximalen Festbetrag. Wenn man bedenkt, dass man beispielsweise bei einer Komplettzerstörung infolge einer Überflutung schnell mit Beträgen, die durchaus fünfstellig ausfallen können, in der Verantwortung steht, steht man rasch vor einem kaum zu bewältigenden Schuldenberg, der nicht allein das Ende des Hausbaus bedeutet.

Der Vertrag sollte wirksam werden, sobald die Arbeiten beginnen. Die Versicherung endet mit Ablauf der Bauzeit, im spätesten Falle jedoch nach 2 Jahren. Die Haftung des Versicherers endet bezüglich Hochbauten normalerweise mit der Bezugsfertigkeit bzw. der behördlichen Gebrauchsabnahme, bei Tiefbauten mit der Abnahme des Objekts bzw. wenn das Objekt gemäß VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen), Teil B § 12.5, als abgenommen gilt. Verlängert sich die Bauzeit, ist eine Verlängerung der Versicherungsdauer in aller Regel ohne Probleme möglich. Das Versicherungsunternehmen sollte hinsichtlich einer Verlängerung des Vertrags kontaktiert werden, sobald abzusehen ist, dass der Hausbau länger als zwei Jahre dauert.

Bauwesenversicherungen werden praktisch von jeder Versicherungsgesellschaft angeboten. Natürlich gibt es deutliche Unterschiede in Preis und Leistungen. Insofern ist es ratsam, vor Abschluss eines Vertrages mehrere Angebote anzufordern und gründlich zu prüfen. Beachten sollte man unbedingt die Bedingungen der Versicherung. Überprüfen sollte man überdies, wann die Versicherung greift und natürlich auch, welche Leistungen nicht angeboten werden, um zu verhindern, dass man im Schadensfall nicht falsch versichert ist. Nicht selten nämlich sind einzelne Schadensursachen wie Vandalismus oder Feuer von den Leistungen der Versicherungen ausgeschlossen. Der Bauherr sollte darüber hinaus bedenken, dass vor allem die persönliche Situation entscheidend ist in der Frage, ob und welche Bauwesenversicherung Sinn hat. Gegen Schäden durch Hochwasser beispielsweise muss man nicht in allen Gegenden unbedingt versichert werden.

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VDABBAKW_82 11.12.2016-07:55:12